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Der Weg des Reiterbogens 


 Bogenschießen Reiterbogen Daumentechnik Material/Ausstattung Bögen Wettkampfregeln


Text: Djingis (ohne Khan) / z. T. auch J. Fischnaller (ungeprüft)

Bogenschießen vom Pferd verbindet Kampfsport und Kampfkunst. Kampf erinnert dabei an die hunderte Jahre lange, sehr erfolgreiche Kriegskunst der Reitervölker asiatischer Steppen. Die Völker der Steppenreiter trainierten von frühester Kindheit an und ihr Leben lang den sicheren Umgang mit dem Bogen. Nur das führte zum erfolgreichen Umgang mit dieser Waffe vom Pferd aus. Dabei war das Pferd Gefährte und ständiger Begleiter, dem sie jederzeit ihr Leben anvertrauen können mussten und das von Kindesbeinen an mit ihnen zusammen war.

Das äußere und somit sichtbare, sportliche Ziel des Bogenschießens vom Pferd ist es, aus dem Galopp heraus mit Schüssen nach vorne über den Pferdekopf, zur Seite und nach hinten, mit dem sog. Partherschuss, möglichst viele Pfeile auf das Ziel, hier: die Zielscheiben zu bringen.

Das innere Ziel, das diesem äußeren nicht sofort erkennbar gegenübersteht, ist ein Streben nach vollständiger Harmonie mit dem Pferd und seiner Bewegung. Dazu bedarf es innerer Ruhe, die die äußere Schnelligkeit im Schießen und Treffen erst möglich macht.

Harmonie und Rhythmus sind zwei Begriffe, die einem Reiter eher vertraut sind, als einem Bogenschützen. Und doch dienen sie auch diesem zum Aufbau der nötigen Spannung und zur anschließenden Entspannung.

Im Bogenschießen vom Pferd müssen sich diese Begriffe jedoch vereinen: Nur in der Harmonie mit dem Pferd, in der Übereinstimmung mit dem Rhythmus der Bewegung des Galopps und gleichzeitig verankert in der inneren Ruhe kann der erfolgreiche Schuss gelingen. Dies erscheint vielen erst einmal nicht möglich und wird auch von vielen nicht geglaubt, bis sie es in der praktischen Ausübung sehen und evtl. gar selbst erleben.

Der traditionelle Bogenschütze versucht, den Moment der Bewegung auszuschalten in dem er sein Ziel anvisiert. Der traditionelle Reiter ist üblicher Weise mit seiner ganzen Aufmerksamkeit beim seinem Pferd und dem Weg, der vor ihnen liegt.

Der reitende Bogenschütze ist mit beidem, der äußeren Bewegung und der inneren Ruhe im Einklang: Sein Körper bewegt sich mit dem Pferd in dessen Rhythmus, zur selben Zeit und im selben Rhythmus schießt er seine Pfeile.

Das heißt: Er hat seinen eigenen inneren Rhythmus so weit entwickelt, dass Pferd und Bogen sich in diesem wiederfinden. Auch wenn es von außen so aussieht, als würde sich der Reiter nach dem Pferd richten und der Schütze nach dem Ziel, ist es tatsächlich wesentlich komplexer. Es geschieht eine Verschmelzung, eine Einheit von Pferd, Schütze und Bogen, deren Verbindung über den Reiter erfolgt.

Diese angestrebte Harmonie ist aber ohne intensives Training nicht zu erreichen. Voraussetzung dabei ist zunächst, das Bogenschießen und das Reiten getrennt zu erlernen und zumindest in fortgeschrittener Manier zu beherrschen.

Die Art des Trainings unterscheidet sich dabei in beiden Disziplinen erheblich von der üblichen im Westen praktizierten Art: Beim Reiten steht Gleichgewicht und Rhythmus im Mittelpunkt, weshalb der Anfänger das Reiten ohne Sattel erlernen und dabei sein Gleichgewicht mit vielen Übungen so weit verfeinert, dass sein Unterkörper der Bewegung des Pferdes folgt, auch wenn er im Oberkörper ganz andere Bewegungen vollführt. Beim Bogenschießen lernt der Schüler, aus seiner Mitte heraus zu schießen und den Bogen als Gegenstand zu sehen, der einzig und allein das ausführt, was sein Körper in seiner Spannung und Entspannung ausdrückt. Deshalb haben die Reiterbögen keinerlei mechanische Hilfsmittel oder gar Visiere, weil der Schütze allein über das Gelingen des Schusses entscheidet. Solche Hilfsmittel wären wegen der Galoppbewegung des Pferdes ohnehin unbrauchbar.

Somit schießt der Reiterbogenschütze aus fließenden Bewegungen seine Pfeile.

Könner der mediterranen Technik halten dabei über zehn Pfeile in der Bogenhand und schießen sie in einer Zeit von unter 20 Sekunden ab. Leuchtendes Beispiel dafür ist der Ungar Lajos Kassai, der als der Wiederentdecker des berittenen Bogenschießens gilt.

Beim berittenen Bogenschießen ist sowohl das Reiten als auch das Schießen als gleich wichtig einzustufen. Jedoch bedarf beides einer intensiven Ausbildung und Übung. Selbst der Galopp auf der geraden Bahn muss bewegungsunabhängig und bis zum absoluten Gleichgewicht in jeder Schussposition erfolgen können.. 

Bei der Daumentechnik gelinget es mit viel Übung auch, an die 10 Pfeile in der Bogenhand zu halten und nacheinander zu verschießen. Der Vorteil dieser Technik liegt aber wo anders.

Treffer und Punkte sind das Salz in der Suppe. Wichtiger ist jedoch die innere Einstellung und das Erlebnis eines gelungenen Schusses in der gewünschten Geschwindigkeit von Pferd und Mensch. Höchstpunktzahlen vergehen, werden verbessert oder auch mal wieder unterschritten. Dann sollte aber immer noch das Erlebnis der Verbindung Mensch, Bogen und Pferd die Basis für das Festhalten und das Weitermachen in und an diesem faszinierenden Sport ausschlaggebend für den nicht zu unterschätzenden Trainings- und Kostenaufwand sein.

Wer mit sich im Reinen ist, braucht keine Vergleiche; er sucht und pflegt die innere Harmonie, aus der Zufriedenheit entsteht.

In Deutschland wurde im Jahr 2006 der Verband "Die Steppenreiter e.V." gegründet, der jährlich Deutsche Meisterschaften in dieser Sportart ausrichtet. Drei der berittenen Bogenschützen vom Mongolensturm nahmen bereits daran teil.

Auch beim ersten offenen Turnier der Kassai-Schule Deutschland im Mai 2010 waren zwei Teilnehmer vertreten.

 

Geschichtlicher Hintergrund 

Die vorherrschenden Kulturen der Steppen waren nomadischen Ursprungs, welche im Laufe der Menschheitsgeschichte sich immer wieder in großen Völkerwanderungen bis nach Europa, teils bis zum Atlantik, ausbreiteten. Ihr Fortbewegungsmittel war das Pferd, ihre Kriegstechnik das berittene Bogenschießen.  

Vom Pferd mit dem Bogen schießen, ist gewissermaßen die älteste und erfolgreichste Kunst des Bogenschießens der Menschheitsgeschichte, was die Erfolge der verschiedensten Steppenreiter über die sesshafte Bevölkerung zeigen.

Ganz gleich, ob es die Skyten, , Awaren, Hunnen, Ta(r)taren, Ungarn, Türken oder der verheerende Sturm der Mongolen war, die dahinrasenden berittenen Bogenschützen beherrschten als leichte Reiterei eine Kriegskunst, der selbst der schwer gepanzerte europäische Ritter nichts entgegenzusetzen hatte.

- Skythen

Die Skythen waren, zusammen mit den Kimmerern, die ersten bekannten Reiterkrieger der Geschichte, zumindest nannten sie so den Griechen. Sie lebten in den Stepppen Eurasiens und fanden ab dem 5 Jahrhundert ihre Heimat am Schwarzen Meer.

- Parther

Das Reitervolk der Parther eroberte zwischen 250 und 238 v.Chr. einen Teil der heute iranischen Gebiete. Sie kamen ursprünglich aus Vorderasien, östlich des kaspischen Meeres. Ab ca. 54 v. Chr. standen sie im Kampf mit den Römern. Bevor ihr Volk im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. durch Bürgerkriege erschüttert wurden, bildeten sie im 3. Jahrhundert v. Chr. östlich des Kaspischen Meeres ein großes Reich.

- Sarmaten

Die Sarmaten wurden um das Jahr 513 v. Chr. bekannt und besiedelten zwischen dem 6. und dem 4. Jahrhundert v. Chr. das südrussische und ukrainische Steppenland. Aus Grabfunden schließ man, dass sie ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. die Skythen ersetzten.

- Alanen

Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. siedelten die Alanen im nördlichen Kasachstan und im Nordosten des Kaspischen Meeres. Von dort zogen sie aber ab Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. in die südrussischen Steppen zwischen Wolga und Don. Die Alanen sind unmittelbare Vorfahren der heute im Kaukasus lebenden Osseten.

- Awaren

Über 200 Jahre beherrschte das zentralasiatische Reitervolk der Awaren im Frühmittelalter  Mitteleuropa. In dieser Zweit waren sie der wichtigste Machtfaktor zwischen dem Franken- und dem Byzantinischen Reich. Die Awaren gehörten zum ersten mongolischen Stamm der Geschichte. Um 550 wurden sie von den Türken aus den Steppen vertrieben. Seit 788 drangen sie wiederholte Male ins Frankenreich ein, wurden dann aber in den Awarenkriegen um 791 von Karl dem Großen und den Südslawen vernichtet.

- Hunnen

Die Hunnen waren zwischen dem riesigen Issykkul in Kirgisien und Ulaan-Baatar ansässig. Gegen 374 drangen die "Schwarzen Hunnen" ins Reich der Alanen vor. Gegen 275 vernichteten sie die Volksgruppe der Greutungen und 394 verdrängten sie die Terwingen aus dem Schwarzmeergebiet. Anschließend besetzten sie die römischen Provinzen.

- Magyaren

Zwischen 936 und 938 hielten sie die Magyaren an der Donau auf. Das damalige  Siedlungsgebiet der heutigen Ungarn grenzte von Norden an die Siedlungen der ostslawischen Stämme . Sie wanderten in Reiterscharen von Russland in die Donautiefebenen ein und ließen sich dort nieder. Danach drangen die magyarischen Steppenkrieger nach Süddeutschland und Oberitalien vor.

- Chasaren

Die Chasaren waren ein halbnomadisches Turkvolk in Zentralasien. Sie gründeten im 7. Jahrhundert ein unabhängiges Khaganat im Sinne eines Staatsgebildes der türkischen und mongolischen Stämme. Im 9. Jahrhundert erstreckte sich dieses Staatsgebilde über die gesamte südrussische Steppe, das heute mit dem Gebiet von Georgien und Armenien gleichzusetzen ist. Auf dem Höhepunkte seiner Macht war das Reich der Chasaren drei Mal so groß wie das mitteleuropäische Frankenreich.

- Mongolen

Die Mongolen lebten im 13. und 14. Jahrhundert im ostasiatischen Steppengürtel. Unter ihrem Anführer Djingis Chaan, der ein unschlagbares Heer unterhielt, welches besondert mit seiner Reitkunst glänzte, brachen sie in fremde Reiche ein. Dadurch erstreckte sich das Mongolengebiet nach unzähligen Eroberungszügen durch Asien hin bis zur arabisch-türkischen Welt des Mittleren Ostens.

- Turkvölker

Vom 6. bis zum 8. Jahrhundert bildeten die Turkvölker Steppenimperien von der Mongolei bis zur Ukraine. Nach und nach dehnte sich ihr Siedlungsgebiet immer mehr aus. Im 11. Jahrhundert drangen die türkischen Seldschuken nach Kleinasien vor. 

 

Der Reiterbogen

Der Begriff "Reiterbogen" ist irreführend. Es ist grundsätzlich möglich, mit jeder Art von Bögen vom Pferd aus Pfeile zu verschießen.

Besonders geeignet sind dafür aber die, meist als Recurve ausgeführten, kurzen Bögen, die es erlauben, auch in höherem Tempo das Schießen vom Pferd aus nach vorne, zur Seite und nach hinten zu zelebrieren.

Sie wurden zunächst außerhalb Europas entwickelt und benutzt. Am bekanntesten sind dabei wohl die skythischen, awarischen, hunnischen, mongolischen, ungarischen und türkischen Reiterbögen.

Sie hatten ein Zuggewicht von durchschnittlich 75 Pfund (d. h. das Doppelte der heute genutzten Reiterbögen) und schossen für sie speziell abgestimmte, leichte Pfeile bis zu 800 m weit. 

Wer auch noch spezielle Reiterbögen verwendete, waren die Prärierindianer Nordamerikas, die im 19. Jahrhundert der Armee der jungen Vereinigten Staaten als die "beste leichte Kavallerie der Welt" entgegen traten.

Der Reiterbogen unterscheidet sich in technischer Fertigung und den benutzten Materialien deutlich vom in Europa überlicher Weise gebrauchten einfachen Langbogen (meist ein Holzstab, der aus einer Sorte Holz herausgearbeitet wurde).

Letzterer war mit hohen Zuggewichten um bis zu 130 Pfund darauf ausgelegt, mit schweren Pfeilen und panzerbrechenden Spitzen in einer Art Artillerieeinsatz mit Salven die gegnerischen Truppen aus einer Distanz zwischen 200 und 300 Metern zu dezimieren.

Dagegen besteht der asiatische Reiterbogen aus einer Kombination von Werkstoffen wie Holz, Sehnen und Horn, die mit Naturleim verbunden sind. Er war damit ein echtes "High-Tech"-Produkt seiner Zeit. Zum Teil beschränkte sich die Funktion des Holzes auf das bloße Tragen der tierischen Materialien.

Der gravierende Vorteil der Verwendung von Sehnen und Horn besteht in der höheren Fähigkeit, Energie zu speichern und beim Schuss an den Pfeil abzugeben. Der Wirkungsgrad eines in solcher Art und Form gebauten Reiterbogens ist höher, als die eines konventionellen Bogens aus Holz, der bei identischer Form sofort brechen würde.

Es gibt neben der Verwendung von Sehnen und Horn auch die Variante, andere Holzsorten mit zu verbauen, um dem Kompositbogen die gewünschten Eigenschaften zu geben. Sehr verbreitet war auch der Hornbogen, der aus verleimten und verzahnten Hornstäben sowie Sehnen besteht.

Der Fertigungsprozess konnte bis zu 2 Jahren betragen, ehe ein leichter und handlicher Reiterbogen gebrauchsfertig war.

Nachteilig wirkt sich jedoch die starke Anfälligkeit solcher klassischer Kompositbögen gegen jegliche Art von Feuchtigkeit aus. Im Extremfall löst sich der durch elastischen und hochfesten Haut- oder Knochenleim zusammengehaltene Materialverbund einfach auf und der Bogen ist nicht mehr zu gebrauchen.

Diese Problematik beeinflusste vermutlich den für das Schicksal Europas entscheidenden Rückzug der Hunnen um das Jahr 600.

 

Kompositbogenarten (bestehen aus mehreren Materialschichten)

Im Altertum entstand als einer der ältesten Kompositbögen der Westasiatische Winkelbogen. Er zeigt bei aufgezogener Sehne ein flaches Dreieck und bei vollem Auszug einen Halbkreis. Er soll zwischen 2400 bis 600 v. Chr. Verwendung gefunden haben.

Der von den Römern und vielen anderen Völkern genutzte Skythische Bogen war ab dem  9. Jahrhundert v. Ch. im Einsatz; er wurde von den Kimmerern perfektioniert und von den Skythen auch nach Griechenland gebracht.

Beim Angularen Kompositbogen finden sich nach außen geknickte Enden, die aber in gespanntem Zustand nicht mehr als solche erkennbar sind. Dieser, auch Assyrischer Bogen genannte Typ bestand aus Holz, Horn und Tiersehnen, die mit Tierleim verbunden waren. Er wurde bis ca. 420 v. Ch. verwendet.

Die Hunnen und Awaren entwickelten diesen Bogentyp weiter, indem sie die Enden versteiften und zusätzlich dem Bogen eine Gegenkrümmung gaben, so dass er in entspanntem Zustand ein ausgeprägtes „C“ zeigt.

Eine nochmalige Weiterentwicklung stellt der Türkische Bogen dar. Dieser Bogen galt bis in das 19. Jahrhundert als die beste Bogenart des Altertums und ermöglichte Schussweiten von fast 800 Meter.

Die Bogenarme sind in abgespanntem Zustand ebenfalls nach innen gerichtet; er erreicht seine reflexe Form erst in aufgespanntem Zustand und gilt allgemein als Vorfahre des heutigen Recurvebogens.

Daneben entwickelten sich u. a. mandschurische, mongolische, ungarische, japanische und koreanische Varianten.


 

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